Zwölfter Dezember

Kindheitsgeräusche und -gerüche

Es gibt Geräusche und Gerüche, die mich sofort in meine Kindheit zurückkatapultieren. Ein Ton oder ein Duft, und ich bin um etwa 35 Jahre zurückversetzt ins Eifeldorf. Ein Idyll für Kinder mit zahllosen spannenden Spielmöglichkeiten, damals, in der Zeit der drei Fernsehprogramme, der entspannteren Eltern und der immer noch vielfach vorhandenen Ofenheizung.

Eine solche hatten auch noch meine Großeltern. Wer es im Winter warm haben wollte, musste beizeiten für genug Holz sorgen. Im Spätsommer wurde „Holz gemacht“, d.h. die im Vorjahr gefällten Buchen und Fichten zu handlichen Scheiten zersägt und ordentlich aufgeschichtet. Dabei mussten auch wir Kinder helfen.

Sobald ich heutzutage irgendwo eine Kreissäge singen höre, läuft der Film in meinem Kopf an: Es ist zeitig an einem Sommersamstagmorgen, im Dorf kräht ab und zu ein Hahn. Aus der Scheune riecht es nach Heu und Roggen, im Garten gackern die Hühner herum. Ich stehe im Hof meiner Großeltern und sehe die fahrbare Säge und den Nachbarn, dem sie gehörte und der mit der Arbeit seine Rente aufbesserte. Mein Vater und der Sägenbesitzer legen die Stämme ein, ich sammelte die gesägten Stücke vom Boden und belud die Schubkarre, die meine Oma bis zum Holzschuppen rollte, wo Opa dann die Scheite aufschichtete. Das ist eine Kunst für sich, nicht halb so einfach, wie es aussieht. Wenn es richtig gemacht wird, ist der Stapel so stabil wie eine Steinmauer – ein Kind konnte daran hochklettern, sich oben auf den Stapel legen und mit einem Buch bewaffnet einen verregneten Sommernachmittag wunderbar herumbringen.

Mit den Jahren änderte sich die personelle Besetzung. Omas und Opas Kräfte ließen nach. Als ich größer wurde, übernahm ich die Schubkarre, mein kleiner Bruder musste nun die Scheite aufsammeln und die Karre beladen. Ein anderer Nachbar stapelte die Scheite, während Opa ihn beobachtete und vor sich hin grummelte, weil das Holz natürlich nicht so hingelegt wurde, wie es nach Opas Ansicht hätte sein müssen.

Noch einige Jahre später war Opa gestorben; für Omas Stube war ein elektrischer Radiator angeschafft worden. Holz wurde nur noch für den Küchenherd benötigt. Jetzt war es mein Bruder, der das Holz in die Säge legte, zusammen mit dem Sohn des ursprünglichen Sägenbesitzers, denn auch der lebte nicht mehr; und mein Vater, der es aufstapelte. Viel weniger Holz als früher. Aus der Scheune roch es schon lange nicht mehr nach frischem Heu und Roggen, Hühner gab es auch nicht mehr, aber auf eigenartige Weise kommt es mir immer noch so vor, als sei alles jedes Jahr genau gleich gewesen.

Ich kann die Säge noch singen hören, ich rieche den Eintopf, den es gewöhnlich zu Mittag gab, und vor allem rieche ich das frisch geschnittene Holz. Das ist ein Duft, bei dem mir heute noch das Herz aufgeht.

Schöne Adventstage, ein frohes Fest und ein glückliches 2013, an das Ihr Euch gerne zurückerinnern werdet, wünsche ich allen Lesern.

Ein Kästchen von @FrauDinktoc

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s